SEO International – Teil 1: Grundlagen und Strukturierung

  31. August 2018

Sollen neue Sprachen und Länder erschlossen werden, müssen die Inhalte einer Webseite in zusätzlichen Sprachen bzw. für weitere Länder bereit gestellt werden. Dabei gilt es wichtige SEO-Stellschrauben zu beachten. Dieser Beitrag dient als Einstieg in die Grundlagen einer internationalen Suchmaschinenoptimierung.

Dieser SEO International-Workshop besteht aus mehreren Beiträgen:

Wann ist SEO International erforderlich?

Eine Vielzahl von Gründen erfordert eine internationale Suchmaschinenoptimierung. Denn Google möchte dem Suchmaschinen-Nutzer relevante Suchergebnis-Treffer in der Sprache des Nutzers (Browsereinstellungen) bereitstellen. Bei einsprachigen Websites ist das meist kein Problem. Doch bei mehrsprachigen Websites sollten Suchmaschinen-Bots (Crawler) informiert werden, welche Sprache der Webseiten-Inhalt besitzt und optional, für welches Land dieser ausgerichtet ist – beispielsweise aufgrund von Währungen, Versandpreisen, Rabatten, etc. Gleichzeitig sollte dem Crawler mitgeteilt werden, unter welchen Adressen der selbe Kerninhalt in anderen Sprachen bzw. für weitere geografische Regionen bereitgestellt wird. Beispiele:

  • Ein deutscher Shop-Betreiber möchte seine Produktseiten übersetzen und für englischsprachige Nutzer in Deutschland bereitstellen.
  • Ein Shop-Betreiber eines englischsprachigen Shops möchte spezielle Produkte und Rabatte nur für Besucher in Großbritannien bereitstellen.
  • Ein Unternehmen möchte die Inhalte der Corporate Website in zusätzlichen Sprachen für Besucher weltweit zur Verfügung stellen.
  • Ein Unternehmen möchte englischsprachige Nutzer in Indien erreichen.

Es ergeben sich somit zwei Fallunterscheidungen, die aus SEO-Sicht bei der Bereitstellung übersetzter Inhalte beachtet werden sollten:

  1. Geografisch unabhängig + Sprache (z. B. alle englischsprachigen Nutzer weltweit)
  2. Geografisch abhängig + Sprache (z. B. alle englischsprachigen Nutzer in Großbritannien)

(A) Geografisch unabhängige Inhalte

Diese Lösung bietet sich an, wenn Webseiten-Inhalte für Nutzer weltweit adressiert sind, also ohne Länderspezifische Einschränkungen. Zum Beispiel, wenn deutschsprachige Webseiten ins Englische übersetzt werden, um generell englischsprachige Nutzer zu erreichen. Suchmaschinen-Bots sollten jedoch darauf hingewiesen werden: Die einfachste und beliebteste Option ist die Implementierung dieser Informationen durch hreflang Tags im Head einer HTML Seite. Weitere Möglichkeiten sind die Bereitstellung via XML Sitemap oder per HTTP Header. hreflang Tags sind Thema im zweiten Teil des Online Workshops.

hreflang-Attribute sind für Besucher einer Webseite nicht sichtbar. hreflang informiert Suchmaschinen-Bots, welche Sprache der Inhalt einer Seite besitzt und listet gleichzeitig alle URLs auf, unter denen dieser Inhalt in weiteren Sprachen verfügbar ist.

Beispiele

  • Eine deutschsprachige Corporate Website wird komplett ins Englische übersetzt. Diese Kopie sollen alle englischsprachigen Suchmaschinen-Nutzer weltweit finden.
  • Ein deutschsprachiger Online Shop besitzt mehrere identische Produkt-Landingpages in den Sprachen deutsch, englisch und französisch.

(B) Geografisch abhängige Inhalte

Sind Webseiten für bestimmte Länder adressiert, müssen die eben erwähnten hreflang Tags durch Angabe einer geografischen Zielregion erweitert werden. Die Länderkennung wird – durch einen Bindestrich getrennt – im ISO 3166-1 aplpha-2 Format hinter der Sprachkennung ergänzt. Ebenso müssen alle alternativen URLs durch hreflang Tags notiert werden. Dazu später mehr im zweiten Teil des Workshops.

Beispiele

  • Ein Unternehmen entwickelt je eine mehrsprachige Corporate Website für Deutschland (deutsch), Frankreich (französisch) und Italien (italienisch).
  • Ein Shop-Betreiber möchte besondere Rabatte nur für Nutzer aus Österreich anbieten, die in keinem weiteren Land gelten.
  • Ein Shop-Betreiber plant eine Kopie des Online Shops für englischsprachige Kunden in Großbritannien.

Welche Domain-Architektur ist die Richtige?

Bevor Du die hreflang Tags für Deine Inhalte erstellst, empfehle ich Dir, die Struktur Deiner Website zu bewerten bzw. zu überarbeiten. Es gibt jedoch keine Ideallösung. Die richtige Lösung ist abhängig vom Umfang. Willst Du komplette Websites oder Shops übersetzen, wird die Domain-Architektur anders sein, als wenn Du nur spezifische Webseiten übersetzt bzw. für ausgewählte Länder ausrichtest. Deshalb möchte ich Dir im Folgenden einen Überblick darüber ermöglichen, welche Lösungen grundsätzlich zur Verfügung stehen:

  1. Domains
  2. Subdomains
  3. Verzeichnisse
DomainsSubdomainsVerzeichnisse
Beispielehttps://website.com
https://website.de
https://uk.website.com
https://www.website.de
https://website.com/de/
https://www.website.eu/en/

Domains

Inhalte auf unabhängige Domains zu verteilen, erzeugt die höchsten Kosten, besitzt aber auch den größten Gestaltungsraum. Top Level Domains (TLD) werden unterschieden in:

ccTLDgTLD
Beispielhttps://www.website.de
https://website.co.uk
https://www.website.com
https://website.berlin
Spezifikaländerbezogene Top Level Domainsgenerische länderspezifisch nicht begrenzte Top Level Domains

ccTLDs (Übersicht bei Wikipedia) beschränken sich auf eine Region, können aber auch in anderen Ländern Keyword-Rankings aufbauen. So kann eine Website auf einer .de-TLD durchaus in der Google Suche unter Google.at oder Google.ch ranken.

Top Level Domaingeografische Region
.deDeutschland
.esSpanien
.aeVereinigte arabische Emirate

Sollen zum Beispiel englischsprachige Nutzer weltweit erreicht werden, sind gTLDs die bessere Wahl. Möchtest Du Google-Nutzer einer bestimmten Region erreichen, ist die Verwendung länderspezifischer Domains empfehlenswert. (.de, .at, .ch, .co.uk, …)

Subdomains

Subdomains sollten auf gTLDs verwendet werden. Sie ermöglichen eine transparente Strukturierung der mehrsprachigen Inhalte auf einer Hauptdomain. (Auf tiefgründige SEO Vor-/Nachteile, wie die Linkjuice-Vererbung, gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Das würde den Rahmen des Beitrags sprengen.) Jede Subdomain kann für eine Sprache und ggf. eine geografische Region ausgerichtet werden, zum Beispiel:

SubdomainSprachegeografische Region
https://www.website.comenglischweltweit
https://de.website.comdeutschDeutschland
https://de-at.website.comdeutschÖsterreich
https://gb.website.comenglischUK/Nordirland

Aus SEO-Sicht bewertet Google eine Subdomain wie eine eigenständige Domain. Sie bietet sich vor allem an, wenn Du Websites oder Shops vollständig übersetzen und/ oder für ausgewählte Länder bereitstellen möchtest. Für große Websites und Shops mit mehreren tausend Seiten empfehle ich jedoch die Nutzung eigenständiger Domains.

Wenn Du Subdomains verwendest, empfehle ich für jede Subdomain ein Google Search Console-Profil zu erstellen und international auszurichten. Jeder Subdomain sollte einer bevorzugten Region zugewiesen werden.

Verzeichnisse

Die dritte Möglichkeit sind Verzeichnisse. Multilinguale Inhalte können auf einer Domain durch Verzeichnisbäume – sogenannte Sprachverzeichnisse – ausgerichtet werden. Jedes Verzeichnis enthält Inhalte einer Sprache die ggf. auch für eine gewünschte geografische Region ausgerichtet sind.

VerzeichnisSprachegeografische Region
https://www.website.comenglischweltweit
https://www.website.com/de/deutschDeutschland
https://www.website.com/fr-ch/französischSchweiz
https://www.website.com/gb/englischUK/Nordirland

Übrigens werden beide Varianten – Verzeichnisse vs. Subdomains – von Google aus SEO-Sicht gleichwertig behandelt:

Video: Matt Cutts (Google Webspam-Team) äußert sich zur Entscheidung Subdomains vs. Verzeichnisse

Warum ist IP-Delivery keine Alternative?

Angenommen eine mehrsprachige Domain ist für Nutzer in den USA und in Deutschland über Subdomains ausgerichtet. Viele Website-Betreiber würden die Besucher nun anhand ihres physischen Standortes an eine Subdomain weiterleiten – zum Beispiel Nutzer in der USA an die US-Version unter https://us.website.com. Denn durch die IP Adresse kann man ermitteln, dass sich ein Nutzer in Miami befindet, so dass er automatisch auf die Subdomain https://us.website.com geleitet wird.

Suchmaschinen-Anbieter, wie Google oder Bing, spidern das Internet von den USA aus, so dass deren Crawler auf Basis von IP-Delivery ausschließlich die Inhalte verarbeiten können, die für Nutzer aus den USA bestimmt sind. Durch IP-Delivery würden Suchmaschinen also automatisch auf die US-Website geleitet werden und Inhalte anderer Regionen ignorieren, zum Beispiel für Deutschland. Deshalb rate ich aus SEO-Sicht von IP-Delivery ab.

Übrigens hat John Müller von Google am 20. Juni 2017 via Twitter davon abgeraten, Redirects auf Basis von IP-Standorten zu verwenden. Die Diskussion findest Du hier.

Wie Du Duplicate Content vermeidest

Angenommen eine Website wird in einer Sprache für drei unterschiedliche geografische Regionen bereitgestellt. Dafür wurde die Website zwei Mal gespiegelt und jede Kopie auf einer Subdomain abgelegt, zum Beispiel:

  • Deutschsprachige Nutzer aus Deutschland: https://de-de.website.com/
  • Deutschsprachige Nutzer aus Österreich: https://de-at.website.com/
  • Deutschsprachige Nutzer aus der Schweiz: https://de-ch.website.com/

Jede Webseite ist drei Mal in der selben Sprache verfügbar. Anhand des Hostnamen werden Suchmaschinen die Inhalte jedoch nicht länderspezifisch selektieren. Um das zu ermöglichen und um Duplicate Content zu vermeiden, musst Du Deine Webseiten mittels hreflang Tags auszeichnen. Lese auch die anderen Beiträge des SEO International-Workshops:

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Kommentare(2)

  • 7. August 2015, 09:00  Antworten

    Super Zusammenfassung Jens, Klasse übersicht. Hab das gleich mal an die Kollegen gesendet, die mich jedes mal dazu fragen.

    • Jens Fröhlich
      7. August 2015, 09:06

      Hallo Alex,
      besten Dank für Dein Feedback und ich freue mich, wenn der Beitrag Klarheit schafft. 🙂

      Beste Grüße
      Jens 

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