Internationales SEO für Websites und Online Shops

Häufig reicht es nicht aus, eine Website oder einen Online Shop einsprachig zur Verfügung zu stellen, weil weitere Zielgruppen und Märkte erschlossen werden sollen. Werden Inhalte in zusätzlichen Sprachen und/oder für neue geografische Regionen ausgerichtet, müssen aus SEO-Sicht wichtige Details beachtet werden. In diesem Blog-Beitrag stelle ich praxiserprobte Lösungen für erfolgreiches internationales SEO vor.

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Was ist mit internationalem SEO gemeint?

Internationales SEO beschreibt die sprach- bzw. länderspezifische Ausrichtung von Websites und Online Shops für ausgewählte Zielgruppen (Märkte, Suchmaschinen-Indizes). In diesem SEO-Beitrag erfährst Du, wie Du Deine Website für mehrere Sprachen und/ oder für mehrere Länder aus SEO-Sicht richtig optimierst.

Beispiel: Mehrsprachige Canon-Website - worldwide
Beispiel: Mehrsprachige Canon-Website – worldwide

Wann ist internationales SEO erforderlich?

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum eine internationale SEO-Optimierung erforderlich ist. Grundsätzlich muss sichergestellt werden, dass Suchmaschinen-Nutzer Ergebnisse in der richtigen Sprache erhalten. Mehrsprachige Websites müssen im HTML Quellcode Hinweise enthalten, damit Suchmaschinen-Bots die richtige Sprache zuweisen können, zum Beispiel:

  • Ein deutscher Shop-Betreiber möchte seine Produktseiten exakt übersetzen und für englischsprachige Nutzer in Deutschland bereitstellen.
  • Ein Shop-Betreiber eines englischsprachigen Shops möchte spezielle Boni und Rabatte nur für Besucher in Großbritannien bereitstellen.
  • Ein Unternehmen möchte die Inhalte der Corporate Website in zusätzlichen Sprachen für Besucher weltweit zur Verfügung stellen.
  • Ein Unternehmen möchte englischsprachige Nutzer in Indien erreichen.

Szenarien der internationalen Website-Ausrichtung

Viele Websites richten sich an Besucher aus der ganzen Welt. Damit Google-Nutzern die richtigen Inhalte in den Suchergebnisse angeboten werden, müssen Website-Betreiber entsprechende Notationen für Suchmaschinen im HTML Quellcode hinterlegen. Dabei unterscheidet man zwei Szenarien:

  1. Geografisch unabhängig + Sprache (z. B. alle englischsprachigen Nutzer weltweit)
  2. Geografisch abhängig + Sprache (z. B. alle englischsprachigen Nutzer in Großbritannien)

(A) Geografisch unabhängig

Immer öfter spielen Unternehmer mit dem Gedanken, ihre Website-Inhalte in weiteren Sprachen bereitzustellen, um neue Zielgruppen zu gewinnen. Meine Erfahrungen zeigen, dass sie häufig nicht an die Erschließung neuer Nutzer einer bestimmten Region denken. Oft verfolgen sie das Ziel sprachliche Barrieren zu überbrücken. Das ist eine sinnvolle Überlegung für die jedoch eine internationale SEO-Strategie erforderlich ist: Jede HTML Seite muss die Suchmaschinen-Bots informieren, für welche Sprache sie ausgerichtet ist. Das erfolgt mittels hreflang Tags.

Das hreflang Attribut wird in den HTML Quellcode eingebunden und ist für Besucher nicht sichtbar. Es verweist auf den selben Inhalt in anderen Sprachen und/ oder Zielregionen.

Praxisnahe Beispiele

  • Eine deutschsprachige Corporate Website wird komplett ins Englische übersetzt. Diese Kopie sollen alle englischsprachigen Suchmaschinen-Nutzer weltweit finden.
  • Ein deutschsprachiger Online Shop erhält mehrere Produkt-Landingpages in den Sprachen deutsch, englisch und französisch.

(B) Geografisch abhängig

Häufig reicht es nicht aus, Inhalte nur zu spiegeln, wenn bestimmte geografische Regionen erschlossen werden sollen. Dafür sind hreflang Tags im HTML Quellcode erforderlich: Jede Seite muss Suchmaschinen-Bots darüber informieren, für welche Sprache und für welche geografische Region sie ausgerichtet ist und welche alternativen Inhalte vorhanden sind.

Praxisnahe Beispiele

  • Ein Unternehmen entwickelt je eine mehrsprachige Corporate Website für Deutschland (deutsch), Frankreich (französisch) und Italien (italienisch).
  • Ein Shop-Betreiber möchte besondere Rabatte nur für Nutzer aus Österreich anbieten, die in keinem weiteren Land gelten.
  • Ein Shop-Betreiber plant eine Kopie des Online Shops für englischsprachige Kunden in Großbritannien.

(Mehrsprachige) Websites für verschiedene Länder müssen Suchmaschinen-Bots mitteilen, für welche Sprache und ggf. für welche Region der Inhalt bestimmt ist.

Wie sollte internationales Targeting erfolgen?

In der Konzeptphase musst Du Dich für eine Website-Struktur entscheiden:

  1. Domains
  2. Subdomains
  3. Verzeichnisse
DomainsSubdomainsVerzeichnisse
Beispielehttps://website.com
https://website.de
https://uk.website.com
https://www.website.de
https://website.com/de/
https://www.website.eu/en/

Zum Verständnis: Aufbau einer URL

URL steht für „Uniform Ressource Locator“ und lokalisiert eine Ressource im Internet.

Schematische Darstellung zum Aufbau einer URL
Schematische Darstellung zum Aufbau einer URL

Domains

Inhalte auf unabhängige Domains zu verteilen, erzeugt die höchsten Kosten, besitzt aber auch den größten Gestaltungsraum. Top Level Domains (TLD) werden unterschieden in:

ccTLDgTLD
Beispielhttps://www.website.de
https://website.co.uk
https://www.website.com
https://website.berlin
Spezifikaländerbezogene Top Level Domainsgenerische länderspezifisch nicht begrenzte Top Level Domains

Möchtest Du Nutzer einer geografischen Region (in der Regel eines Landes) erreichen, bieten sich ccTLDs oder gTLDs an. gTLDs sollten im Google Search Console-Profil einer bevorzugten Region zugewiesen werden. Anderenfalls weist Google die Website nicht zwingend dem gewünschten Land zu und die Keyword-Rankings bleiben aus.

Internationale Ausrichtung einer COM-Domain // Google Search Console
Internationale Ausrichtung einer COM-Domain // Google Search Console

ccTLDs (Übersicht) sind länderbezogen und ranken bevorzugt für das jeweilige Land, wie:

Top Level Domaingeografische Region
.deDeutschland
.esSpanien
.aeVereinigte arabische Emirate

Sollen zum Beispiel englischsprachige Nutzer weltweit erreicht werden, sind gTLDs die bessere Wahl. Möchtest Du Google-Nutzer einer bestimmten Region erreichen, ist die Verwendung länderspezifischer Domains empfehlenswert. (.de, .at, .ch, .co.uk, …)

Subdomains

Subdomains sollten auf gTLDs verwendet werden. Sie ermöglichen eine transparente Strukturierung der mehrsprachigen Inhalte auf einer Hauptdomain. (Auf tiefgründige SEO Vor-/Nachteile, wie die Linkjuice-Vererbung, gehe ich an dieser Stelle nicht ein. Das würde den Rahmen des Beitrags sprengen.) Jede Subdomain kann für eine Sprache und ggf. eine geografische Region ausgerichtet werden, zum Beispiel:

SubdomainSprachegeografische Region
https://www.website.comenglischweltweit
https://de.website.comdeutschDeutschland
https://de-at.website.comdeutschÖsterreich
https://gb.website.comenglischUK/Nordirland

Verzeichnisse

Die dritte Möglichkeit sind Verzeichnisse. Multilinguale Inhalte können auf einer Domain durch Verzeichnisbäume – sogenannte Sprachverzeichnisse – ausgerichtet werden. Jedes Verzeichnis enthält Inhalte einer Sprache die ggf. auch für eine gewünschte geografische Region ausgerichtet sind.

VerzeichnisSprachegeografische Region
https://www.website.comenglischweltweit
https://www.website.com/de/deutschDeutschland
https://www.website.com/fr-ch/französischSchweiz
https://www.website.com/gb/englischUK/Nordirland

Beispiele für internationales SEO

Beispiel 1: Deutsch und Englisch für dasselbe Land

Wenn Inhalte auf einer Website in deutsch und in englisch für dasselbe Land bereitgestellt werden sollen, empfehle ich eine gTLD zu nutzen und die Inhalte durch Verzeichnisse zu strukturieren, zum Beispiel:

  • deutschsprachige Website: https://www.website.com/de/
  • englischsprachige Website: https://www.website.com/en/

Bei komplexen Websites mit mehreren tausend Seiten wäre die Strukturierung der Inhalte durch Subdomains die bessere Entscheidung.

Beispiel 2: Deutsch und Englisch für mehrere Länder

Falls eine deutschsprachige Website für Deutschland und eine englischsprachige Website für Nutzer in UK bereitgestellt werden soll, bietet es sich an, zwei ccTLDs zu nutzen:

  • deutschsprachige Website: https://www.website.de
  • englischsprachige Website: https://www.website.co.uk

Ob die deutschsprachige Website auf einem Server in Deutschland und die englische Website auf einem Server in UK gehostet wird, ist aus Google-Sicht egal, wenn hreflang Tags verwendet werden.

Beispiel 3: Deutsch für mehrere Länder

Wenn ein Online Shop mit Inhalten für deutschsprachige Nutzer in Deutschland, sowie Österreich und Belgien ausgerichtet werden soll, empfehle ich ccTLDs zu nutzen, wie:

  • deutschsprachige Website für Deutschland: https://www.website.de
  • deutschsprachige Website für Österreich: https://www.website.at
  • deutschsprachige Website für Belgien: https://www.website.be

Das ist jedoch mit höheren Hosting-Kosten verbunden. Alternativ kannst Du auch eine gTLD nutzen und die Inhalte auf Subdomains bereitstellen, zum Beispiel:

  • deutschsprachige Website für Deutschland: https://de.website.com
  • deutschsprachige Website für Österreich: https://at.website.com
  • deutschsprachige Website für Belgien: https://be.website.com

Oft werden verschiedene Sprachversionen auch durch Verzeichnisse auf gTLDs abgebildet. Davon rate ich ab, weil das bei großen Websites schnell unübersichtlich und fehleranfällig werden kann.

Wenn Du Subdomains verwendest, empfehle ich für jede Subdomain ein Google Search Console-Profil zu erstellen und international ausrichten. Jeder Subdomain sollte eine bevorzugte Region zugewiesen werden. Beide Varianten, Verzeichnisse vs. Subdomains, werden aus Google-Sicht gleichwertig behandelt:

Video: Matt Cutts (Google Webspam-Team) äußert sich zur Entscheidung Subdomains vs. Verzeichnisse

Warum ist IP-Delivery keine Alternative?

Angenommen eine mehrsprachige Domain ist für Nutzer in den USA und in Deutschland über Subdomains ausgerichtet. Viele Website-Betreiber würden die Besucher nun anhand ihres physischen Standortes an eine Subdomain weiterleiten – zum Beispiel Nutzer in der USA an die US-Version unter https://us.website.com. Denn durch die IP Adresse kann man ermitteln, dass sich ein Nutzer in Miami befindet, so dass er automatisch auf die Subdomain https://us.website.com geleitet wird.

Suchmaschinen-Anbieter, wie Google oder Bing, spidern das Internet von den USA aus, so dass deren Crawler auf Basis von IP-Delivery ausschließlich die Inhalte verarbeiten können, die für Nutzer aus den USA bestimmt sind. Durch IP-Delivery würden Suchmaschinen also automatisch auf die US-Website geleitet werden und Inhalte anderer Regionen, zum Beispiel für Deutschland, ignorieren. Die deutschsprachige Website würde dadurch nicht indexiert werden und nicht ranken. Deshalb rate ich aus SEO-Sicht von IP-Delivery ab.

Übrigens hat John Müller von Google am 20. Juni 2017 via Twitter davon abgeraten, Redirects auf Basis von IP-Standorten zu verwenden. Die Diskussion findest Du hier.

Wie Du Duplicate Content vermeidest

Angenommen eine Website wird in einer Sprache für drei unterschiedliche geografische Regionen bereitgestellt. Dafür wurde die Website zwei Mal gespiegelt und jede Kopie auf einer Subdomain abgelegt, zum Beispiel:

  • Deutschsprachige Nutzer aus Deutschland: https://de-de.website.com/
  • Deutschsprachige Nutzer aus Österreich: https://de-at.website.com/
  • Deutschsprachige Nutzer aus der Schweiz: https://de-ch.website.com/

Jede HTML Seite ist drei Mal verfügbar. Anhand des Hostnamen werden Suchmaschinen die Inhalte allerdings nicht länderspezifisch selektieren. Um das zu gewährleisten und Duplicate Content zu vermeiden, musst Du hreflang Tags im HTML Quellcode jeder Seite bereitstellen. Das ist die grundlegende Basis für erfolgreiches internationales SEO.

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Kommentare(2)

  • 7. August 2015, 09:00  Antworten

    Super Zusammenfassung Jens, Klasse übersicht. Hab das gleich mal an die Kollegen gesendet, die mich jedes mal dazu fragen.

    • Jens Fröhlich
      7. August 2015, 09:06

      Hallo Alex,
      besten Dank für Dein Feedback und ich freue mich, wenn der Beitrag Klarheit schafft. 🙂

      Beste Grüße
      Jens 

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