Sichtbarkeitsindex › SEO Visibility › Sinn oder Unsinn?

Keine SEO Kennzahl entfacht mehr Uneinigkeit in der SEO Branche als der Sichtbarkeitsindex. Während einige SEOs den SISTRIX Sichtbarkeitsindex, SEO Visibility, OVI & Co. entschieden ablehnen, analysieren Andere diese Metriken beim täglichen SEO Controlling. Hier erfährst Du alles Wissenswerte zum Sichtbarkeitsindex.

Timeline: Sichtbarkeitsindex › SEO Visibility

07 September 2016
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07.09.2016

Heute hat SISTRIX einen entscheidenden Schritt in Richtung Analyse-Komfort gemacht: Auf Wunsch kann man den SISTRIX Sichtbarkeitsindex der letzten 30 Tage als tägliche Entwicklung analysieren. Dadurch kann man genauere Bewertungen durchführen. Das ist besonders hilfreich bei der Analyse von Google Updates oder wenn in einem engen Zeitraum viele Optimierungen erfolgten. Der tägliche Sichtbarkeitsindex wird zunächst nur für Google.de zur Verfügung gestellt.

Täglicher Sichtbarkeitsindex  // SISTRIX Toolbox

03 Mai 2016
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03.05.2016

SISTRIX übernimmt SEOlyticsHeute teilte Johannes Beus im SISTRIX Blog mit, dass SISTRIX das SEO Tool SEOlytics übernommen hat. Laut Johannes sollen die Funktionen beider Tools zukünftig vereint werden. Der SEOlytics Visibility Rank wird vermutlich abgeschafft. (Quelle)

Was ist der Sichtbarkeitsindex?

Der Sichtbarkeitsindex ist eine künstliche Metrik. Er beschreibt die Sichtbarkeit einer Domain/Website/Verzeichnis/URL in einer Suchmaschine und zeigt wie wahrscheinlich es ist, Nutzer durch organische Suchergebnisse zu erhalten. Nun könnte man meinen: Je höher der Sichtbarkeitsindex ist, desto mehr organischer Traffic. Doch das trifft nicht zu, denn kein Sichtbarkeitsindex basiert auf realen Traffic-Daten. Der Sichtbarkeitsindex ist kein Traffic-Index auch wenn er mit Tracking-Daten (wie Google Analytics) korrelieren kann. Dazu fünf praxisnahe Beispiele, bei denen ich den Daily SI von SISTRIX mit den organischen Sitzungen der Website aus Google Analytics vergleiche:

Beispiel 1: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 1: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 2: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 2: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 3: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 3: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 4: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 4: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 5: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen
Beispiel 5: Daily Sichtbarkeitsindex versus organische Sitzungen

Es wird deutlich, dass der Sichtbarkeitsindex teilweise identisch mit den organischen Sitzungen verläuft aber er ist keine geeignete Metrik, um den Traffic einer Website darzustellen. So erfasst der Sichtbarkeitsindex beispielsweise nicht den Traffic-Einbruch am 13.01.2017 von Beispiel 4. Das Beispiel 5 zeigt einen steigenden Sichtbarkeitsindex, wohingegen der organische Traffic zyklisch abnimmt. Sichtbarkeit ist nicht gleich Sichtbarkeit, da Tool-abhängig:

SISTRIX: Sichtbarkeitsindex

Der bekannteste Sichtbarkeitsindex in Deutschland ist der SISTRIX Sichtbarkeitsindex. Er wird wöchentlich auf Grundlage von 250.000 Keywords für Deutschland und 1 Million Keywords für alle weiteren Suchmaschinen-Indizes gebildet. 90 Prozent dieser Begriffe sind fester Bestandteil des Keyword-Sets. Die restlichen zehn Prozent werden regelmäßig aktualisiert. Das macht vor allem dann Sinn, wenn es wichtige Ereignisse gibt, die starken Einfluss auf das Suchverhalten haben – wie „Flüchtlingskrise 2015“ oder „VW-Abgas-Skandal“.

Möchte man zum Beispiel den SISTRIX Sichtbarkeitsindex für den Host „www.zalando.de“ bestimmen, gibt man den Host einfach im Suchschlitz der SISTRIX Toolbox ein. Wer das SEO Modul gebucht hat, bekommt den aktuellen Sichtbarkeitsindex als Zahl und als grafischen Verlauf angezeigt. Wer das Tool nicht nutzt, kann hier den SISTRIX Sichtbarkeitsindex kostenlos bestimmen.

Sichtbarkeitsindex von zalando.de // SISTRIX Toolbox
Sichtbarkeitsindex von zalando.de // SISTRIX Toolbox

Searchmetrics: SEO Visibility

Der Tool-Anbieter Searchmetrics bezeichnet seinen Sichtbarkeitsindex als SEO Visibility. Gebildet wird sie aus dem Suchvolumen und den Positionen der rankenden Keywords. Dabei wird jede Position individuell anhand eines von Searchmetrics ermittelten Faktors gewichtet. Auch die Kategorie des Keywords – zum Beispiel „navigational“ oder „informational“ – nimmt Einfluss auf die berechnete SEO Visibility. Hier kann man die Searchmetrics SEO Visibility kostenlos messen.

SEO Visibility // Searchmetrics Essentials
SEO Visibility // Searchmetrics Essentials

SEOlytics: Visibility Rank (SVR)

Der Tool-Anbieter SEOlytics stellt ebenfalls eine Metrik zur Beurteilung des Sichtbarkeitsindex zur Verfügung: den SEOlytics Visibility Rank (SVR). Er gibt den Wert einer Domain bezogen auf ihre organischen Keyword-Rankings wieder. Verschiedene Faktoren nehmen Einfluss auf den SVR. In diese Kennzahl fließen die Positionierung, das Suchvolumen und durchschnittlichen Kosten für einen bezahlten Klick (CPC) auf Referenz-Keywords ein. Das Keyword-Set zur Berechnung des SVR setzt sich aus den wirtschaftlich relevanten Suchbegriffen des jeweiligen Landes zusammen. Warum SEOlytics eine monetäre Kennzahl (CPC) in die Bewertung des Visibility Ranks einfließen lässt, ist für mich nicht nachvollziehbar. (Nachtrag: Darauf geht Sören Bendig von SEOlytics in den Kommentaren ein.)

Visibility Rank www.zalando.de - SEOlytics
Visibility Rank // SEOlytics

XOVI: Online Value Index (OVI)

Der SEO Tool-Anbieter XOVI hat ebenfalls einen eigenen Sichtbarkeitsindex kreiert, den Online Value Index (OVI). Dieser stellt die Sichtbarkeit in der Google Suche über alle platzierten Keywords dar. Der OVI teilt also mit, wie gut und wie oft eine Domain/Website/Verzeichnis/URL zu allen Keywords platziert ist.

Nachtrag: Dass XOVI alle platzierten Keywords eines Google Index in den OVI einfließen lässt, erscheint mir abenteuerlich. XOVI drückt sich m. E. auf der Website etwas verwirrend aus. Sascha Lienesch von XOVI berichtet in den Kommentaren des Beitrags, dass das Keyword-Set für Deutschland ca. 3 Millionen Begriffe (Top-100 Suchergebnisse) umfasst und wöchentlich gecrawlt wird. Die Keyword-Sets für Österreich und die Schweiz besitzen jeweils 1 Million Begriffe.

OVI von zalando.de // XOVI Suite
OVI von zalando.de // XOVI Suite

Zwischenbemerkungen

Jeder Tool-spezifische Sichtbarkeitsindex basiert auf einem eigenständigen Algorithmus. Dadurch sehen die historischen Verläufe oft unterschiedlich aus, wie die Screenshots des jeweiligen SEO-Tools verdeutlichen. Deshalb empfehle ich die Sichtbarkeit als Trendbarometer zu betrachten. Signifikante Änderungen sollten stets detailliert bewertet werden – zum Beispiel die TOP-20 Ranking-Veränderungen aller Keywords ab einem „xyz“ Suchvolumen.

Sichtbarkeitsindex: Sinnvoll

Der Sichtbarkeitsindex verschafft einen subjektiven Einblick über die Sichtbarkeit einer Domain, eines Hosts, eines Verzeichnisses oder einer spezifischen URL auf Basis des jeweiligen Keyword-Sets! Alle genannten SEO-Tool-Anbieter stellen den Sichtbarkeitsindex als aktuellen Wert und visuell im zeitlichen Verlauf dar.

Die Entwicklung des Sichtbarkeitsindex kann strategisch wichtige Erkenntnisse liefern, zum Beispiel welche Auswirkungen SEO Maßnahmen oder Algorithmus-Updates eines Suchmaschinen-Anbieters haben. Auch für Wettbewerbsvergleiche kann der Sichtbarkeitsindex eine hilfreiche Metrik sein.

Sichtbarkeitsindex-Vergleich // SISTRIX Toolbox
Sichtbarkeitsindex-Vergleich // SISTRIX Toolbox

Sichtbarkeitsindex: Nicht sinnvoll

Der wohl größte Fehler liegt im Verständnis des Anwenders ist, dass der Sichtbarkeitsindex als Traffic-Index zweckentfremdet wird – das ist er natürlich nicht, weil er nicht auf realen Tracking-Daten basiert.

Gradmesser Keyword-Set

Als zweiten Impuls nenne ich das Keyword-Set, denn das ist meines Erachtens der entscheidende Faktor bei der Bewertung des Sichtbarkeitsindex. Der Sichtbarkeitsindex wird von den meisten SEO Tools auf Grundlage eines Standard-Keyword-Sets gebildet. Möchte man den Sichtbarkeitsindex einer Nischen-Website beurteilen, dann wird der Sichtbarkeitsindex sehr gering ausfallen. Völlig klar, denn das Keyword-Set beinhaltet zum Großteil Suchbegriffe, mit denen die Nischen-Website nicht ranken soll. Dass nicht relevante Keywords mit hohem Suchvolumen vom Tool-Algorithmus stark gewichtet werden, ist relativ hoch. Das führt zu Verzerrungen, die Raum für Fehlinterpretationen schaffen.

Wird der Sichtbarkeitsindex auf Grundlage eines Standard-Keyword-Set gebildet, ist die Aussagekraft für neue und Nischen-Websites geringer, als für etablierte große Websites und Shops. Das trifft auch für detaillierte Branchen-Analysen und Wettbewerbsvergleiche auf Basis der Sichtbarkeit zu.

Ein weiterer Aspekt ist, dass neue und Nischen-Websites oft nur über einen sehr geringen Sichtbarkeitsindex verfügen, weil sie wenige Treffer zum Standard-Keyword-Set des Tool-Anbieters aufweisen. Verbessern oder verschlechtern sich Keyword-Rankings drastisch, fallen wenige starke Keywords aus den SERPs heraus oder steigen auf attraktiven Positionen ein, ist die prozentuale Veränderung des Sichtbarkeitsindex oft enorm – teils mehrere hundert Prozent. Diese Veränderung muss nicht zwingend zu signifikanten Traffic-Zuwächsen bzw. -Verlusten führen. Starke prozentuale Änderungen eines niedrigen Sichtbarkeitsindizes sollten also stets sachlich bewertet werden.

Starke SI-Schwankungen // SISTRIX Toolbox
Starke SI-Schwankungen // SISTRIX Toolbox

Mein Lösungsansatz

Einige SEO-Tool-Anbieter bieten die Erstellung eigener Keyword-Sets, für die ein Sichtbarkeitsindex, basierend auf dem selben Algorithmus, errechnet werden kann. Möchte man die Wettbewerbsfähigkeit einer Website durch den Sichtbarkeitsindex bestimmen und überwachen, dann ist es sinnvoll, ein Keyword-Set zu erstellen. Je mehr relevante Keywords enthalten sind, desto aussagekräftiger ist der Sichtbarkeitsindex. Folgende SEO-Tools ermöglichen meines Wissens die Erstellung von Keyword-Sets zur Berechnung eines eigenen Sichtbarkeitsindex:

Je mehr Keywords zur Berechnung eines Sichtbarkeitsindizes beitragen, desto besser. Will man zum Beispiel einen Branchenindex erstellen, sollten selbst für Nischenmärkte mindestens 100 Keywords überwacht werden. Das Keyword-Set sollte dabei mindestens so viele Keywords enthalten, damit der Markt aus zahlreichen Blickwinkeln bewertet werden kann. Sollen eine Website und Wettbewerber in mehreren Ländern und Sprachen überwacht werden, muss für jedes Land und Sprache ein Keyword-Set und Sichtbarkeitsindex erstellt werden.

Schlussbemerkungen

Der Sichtbarkeitsindex ist meines Erachtens eine hilfreiche allgemeine SEO-Kennzahl, um die Sichtbarkeit in einer Suchmaschine und deren Entwicklung darzustellen. Basieren die Daten auf einem Standard-Keyword-Set müssen Entwicklungen sachlich bewertet werden, weil unterschiedliche Störfaktoren zu Fehlinterpretationen führen können. Deshalb empfehle ich eigene Keyword-Sets zu erstellen, für die jeweils ein Sichtbarkeitsindex berechnet wird. Je größer und aussagekräftiger ein Keyword-Set, desto besser. Soll die Sichtbarkeit für mehrere Länder und Sprachen bewertet werden, müssen eigene Keyword-Sets entwickelt werden. In jedem Fall steht fest: Der Sichtbarkeitsindex ist kein Traffic-Index.

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Kommentare(25)

  • 29. Januar 2014, 18:45  Antworten

    Gute Übersicht! wiseseo.de hat glaube ich auch einen Sichtbarkeitsindex, oder?

    „Das bedeutet, dass der OVI mitteilt, wie gut und wie oft eine Domain insgesamt zu allen Keywords platziert ist.“

    Der Satz klingt so, als würde Xovi _ALLE_ Keywords die es gibt für den OVI berücksichtigen 😉

  • 29. Januar 2014, 21:14  Antworten

    Guter Artikel Jens! Der Sichtbarkeitsindex macht für mich auch nur Sinn, wenn man den Verlauf über einen längeren Zeitraum betrachtet. Für kleine Zeitperioden ist er oftmals bei den unterschiedlichen Tools in der Tendenz stark abweichend je nach vorhandenem Keywordset.

  • 29. Januar 2014, 22:42  Antworten

    Hey Jens,

    sehr schöner Artikel. Da steht eigentlich alles drin, was man über die Sichtbarkeitsindizes wissen sollte.

    Beste Grüße
    Christoph

  • 30. Januar 2014, 15:32  Antworten

    Hallo Jens,

    ein Anruf bei oder eine Mail an XOVI hätte Dir die gewünschte Auskunft gebracht. Der OVI basiert auf den Ranking-Daten unserer kompletten Datenbank und natürlich nicht aller bei Google vorhandenen Keywords. Stimmt – wie soll das gehen?

    Das Keyword-Set, dass wöchentlich gecrawlt wird beläuft sich auf ca. 3 Millionen Keywords und dort ebenfalls die TOP 100.

    Gruß
    Sascha

    • Jens Fröhlich
      30. Januar 2014, 15:36

      Hallo Sascha,

      besten Dank für die transparente Auskunft zu Euren Daten.

      Viele Grüße
      Jens

  • 30. Januar 2014, 16:54  Antworten

    …kurz, knapp und vor allem tip-top!
    Nach der heftigen Diskussion ziwschen Hans (Sistrix) und Marcus (Searchmetrics) gestern via Facebook gibt’s nun auch noch ein paar Sympathie-Punkte für Hans & Co.
    😉

    Miladin

  • 30. Januar 2014, 17:05  Antworten

    Hi Jens,

    bei Verständnisfragen einfach mal bei den Toolanbietern melden, da beißt keiner. 😉 Zu SEOlytics zwei Anmerkungen:

    a) Die Metrik heißt „SEOlytics Visibility Rank“, deshalb SVR. Vom Algorithmus funktioniert es so: Die organischen Rankings der Domain (bezogen auf die Referenzdatenbanken) werden ermittelt und bewertet bzgl. Ranking/Position. Die Annahme, welche fast alle Toolanbieter treffen, ist dass die CTR in den Suchergebnissen den möglichen Traffic beeinflusst. Ist ja soweit logisch: Top-Position auf Seite 1 = viele Besucher, Ranking auf Seite 10 wahrscheinlich nix mehr. Dazu werden Kennzahlen wie Suchvolumen als Gewichtung (wie wertvoll ist das Keyword) hinzu genommen. Die Intention dabei ist die „Ausschläge“ bei Veränderungen auf wertvollen Keywords stärker darzustellen. Der CPC – keine SEO-Kennzahl per se – wird bei uns als Daumenwert für eine mögliche Conversion (Biet-Mechanismus, gehen wir davon aus der Markt ist nicht blöd) in der Gewichtung verwendet. Kunden, welche bei uns eigene Industrie/Branchen Datenbanken betreiben, verwenden stattdessen (wenn vorhanden) eigene Conversionkennzahlen, um die Gewichtung noch besser auszusteuern.

    b) SEOlytics bietet eine kostenlose Starter Version unter http://www.seolytics.de an, hier kann jeder vollwertig auf SVR und die Referenzdatenbanken zugreifen und darauf unbegrenzte Analysen durchführen.

    Bezogen auf den nach wie vor starken Fokus vieler Marktteilnehmer auf allgemeine Sichtbarkeitskennzahlen kann ich Dir nur Recht geben. Nach wie vor gibt es zu viele Tool User, welche die verwendeten Algorithmen ungenügend hinterfragen und dann bzgl. Datenbasis durcheinander kommen und denken eine solche Kennzahl wird auf der kompletten Longtail-Datenbank berechnet, was nicht der Fall ist.

    SEOlytics hat Anfang 2012 bereits im täglichen SEO Monitoring Möglichkeiten geschaffen mit individuellen Keyword-Clustern – nennt sich Daily Visibility Rank (DVR) – zu arbeiten. Hier kann ich mir beliebige Subsegmente auf meinen eigenen Keywordsets erstellen. Problematisch bei den „allgemeinen Datenbanken“ ist ja vor allem auch die Datenbasis (vom Toolhersteller ausgewählt) – als ad-hoc Analyse nett und für große Seiten sicher von der Korrelation besser, aber für ein strategische Performancebewertung oft ungenügend. Wie groß ist die Übereinstimmung zum eigenen Geschäftsmodell? Die Frage können viele User gar nicht erst beantworten, bzw. kann man es in einigen Tools gar nicht erst herausfinden. Bei einem individuellen Keyword-Cluster gibt es hier keine Unschärfe. Im täglichen Workflow ein Unterschied wie Tag und Nacht, zumal ich viel bessere Detaildaten habe, sofern ich Problem analysieren möchte. Das Volumen ist dabei egal (vom Account abhängig), wir haben User die DVRs auf 20.000 und mehr Keywords angelegt haben.

    Für Kunden die sehr große Keywordsets als Grundlage benötigen gibt es auch bessere Möglichkeiten. Bei uns nennt sich das ganze Industry Visibility Rank (IVR) und ermöglicht international die vollständige SERP-Exploration – auf allen Rankings der ersten 10 Seiten (also auch der Konkurrenz) inklusive Universal Search Einblendungen oder Knowledge Graph. Möglich für Keywordsets größer 50.000 Datenpunkte. Hier kann der User sogar den Algorithmus beliebig beeinflussen. Bei diesen Datenmengen finden die Kundenauswertungen dann im Rechencluster statt.

    Das nach wie vor einige in der Branche (auch mancher Toolanbieter) den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität gerne ignorieren passt zum ungenauen Umgang mit Kennzahlen im „magischen SEO Markt“. Man kann sehr viele gute Insights aus Tools bekommen, aber das ist meist mit etwas Arbeit, Ressourcen und einer konkreten Kenntnis der relevanten Fragestellungen/Kennzahlen verbunden. Aber da der Druck auch im SEO immer größer wird, habe ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben das ändert sich irgendwann.

    /end walloftext

    • Jens Fröhlich
      30. Januar 2014, 17:21

      Sören, besten Dank für dein umfassendes Statement. Auch für mich sind neue Erkenntnisse dabei und für viele Leser ist dein Kommentar sicher sehr hilfreich, danke.

      VG
      Jens

  • 30. Januar 2014, 17:12  Antworten

    Sehr schöner Artikel Jens,

    am besten man lässt sich gleich die Google Analytics Zahlen geben, wenn man z. B. eine ernsthafte Kooperation anbahnt. Die sind von allem an verlässlichsten und man kann einschätzen, ob der Link auch einen Besucher bringt.

    Ich habe Seiten die haben ein relativ hohen Sichtbarkeitsindex aber kaum Traffic. Da wollen dann die Leute wie blöd Links haben, andere Seiten mit vielen echten Besuchern, aber kaum SI wollen die dann nicht. Wass soll man nur davon halten?

    Gruß

    Sammy

    • Jens Fröhlich
      30. Januar 2014, 17:16

      Hey Sammy,

      besten Dank für deine Kritik. Das was du beschreibst, ist mir auch gut bekannt. Ich hoffe, dass ich mit dem Artikel etwas Verständnis erzeugen kann.

      VG
      Jens

  • 30. Januar 2014, 19:04  Antworten

    Ein Problem haben natürlich alle allgemeinen Indizes. Sie berechnen die Sichtbarkeit auf Basis der Rankings der beliebigen gefunden URLs. Oft ranken aber die falschen URLs zu einer Suchanfrage.

    Das bedeutet, dass beispielsweise eine Kategorie zu einem Produkt rankt oder ein konkretes Produkt zu einer allgemeinen Marke + Gattungs Anfrage oder die Startseite zu der Suchanfrage zu der Adresse / Öffnungszeit einer konkreten Filiale. In allen diesen Fällen erzeugt man Traffic aber ein schlechtes Nutzererlebnis und gegebenenfalls Frust.

    Leider kann man bei den individuellen SIs keine URL zu den Keywords definieren, die man messen will. Wie gesagt, ich will ja nicht irgendwie ranken sondern geziehlt und gesteuert. Ist ja kein Hobby, was wir hier betreiben. Diese Lücke ist sehr ärgerlich und macht den wesentlich besseren individuellen SI etwas weniger aussagekräftig als er sein könnte.

    • 31. Januar 2014, 10:36

      Jens, das geht schon… mit Alert und Filter darauf. Einfach mal auf nen Kaffee bei uns im HQ vorbei kommen, wenn du das nächste Mal an der HAW bist.

  • 31. Januar 2014, 11:09  Antworten

    Schöner Artikel Jens – diese Diskussionen gab es ja schon öfter mal – macht ein Sichtbartkeitsindex Sinn etc. Ich sehe ihn schon immer nicht als ultimative Einheit, sondern als ein weiteres Puzzelteil um die Güte einer Domain zu verifizieren. Danke für den Artikel – sehr nice!

    • Jens Fröhlich
      31. Januar 2014, 11:27

      Vielen Dank Marc, ja „Puzzleteil“ der SEO Analyse trifft es gut. 🙂

      VG
      Jens

  • 31. Januar 2014, 11:24  Antworten

    Hallo Jens,

    der Artikel ist wirklich sehr gut gelungen, jetzt verstehe auch ich was es mit dem Sichtbarkeitsindex auf sich hat.
    Aber ob das wirklich eine relevante „Kennzahl“ ist noch die Frage.

    • Jens Fröhlich
      31. Januar 2014, 11:28

      Besten Dank, das war mein Ziel. Ob relevant oder nicht, kommt auf die Visionen und Ziele an, die mittels SEO Metriken überwacht werden. Der Sichtbarkeitsindex kann eine dieser Metriken sein, muss aber nicht.

      VG
      Jens

  • Uwe
    3. Februar 2014, 19:22  Antworten

    Der nachgereichte Vergleich zwischen den Wikipedia-Fundstellen von Searchmetrics und Sistrix suggeriert m.E. dem Leser, dass Sistrix 16.000.000 Keywords in seiner Sichtbarkeitskurve einrechnet, was ja nicht so ist… gefreut hätte mich an dieser Stelle, wenn Hanns gezeigt hätte, dass man mit einem Keyword-Set von 250.000 Keywords exakt zum gleichen Ergebnis kommt wie mit 16.000.000 statt sich einem „Tail“vergleich hinzugeben.

    Die Idee mit dem eigenen Sichtbarkeitsindex hingt auch – in deinem Beispiel sieht man, dass eine Domain nicht in die Liste gehört – ganz ohne, dass man ein SEO Genie sein muss. Finde den Fehler – könnte das Spiel lauten – die eigene Domain mithilfe das Keywordset erstellt wurde – dominiert natürlich – weil der Blick über der Tellerrand (hin zu anderen objektiven Keywords) fehlt – das Ergebnis ist ein Eigenlob auf die tollen Positionen – ein Benchmark zum Wettbewerb oder gar ein echter realistischer Branchenvergleich liegt da sehr fern.

    • Jens Fröhlich
      3. Februar 2014, 19:52

      Hallo Uwe,

      schön das Du Dich an der Diskussion beteiligst.

      „Die Idee mit dem eigenen Sichtbarkeitsindex hingt auch – in deinem Beispiel sieht man, dass eine Domain nicht in die Liste gehört […]“

      Das sehe ich anders. Bildet man zum Beispiel ein Keyword-Set anhand wichtiger Keywords zu einem Thema, mit denen eine Website bereits rankt, kann man durch den Sichtbarkeitsindex starke Wettbewerber identifizieren und so neue Keyword-Ideen sammeln. 😉

      VG
      Jens

  • Jörg Zeitler
    9. Februar 2014, 01:43  Antworten

    Hallo Jens,

    dir ist hier eine sehr gute Gegenüberstellung der verschiedenen Indexes gelungen. Auch werden Sinn und Unsinn bei der Nutzung dieser in Auswertungen sehr anschaulich aufgezeigt.

    Um sich dieses Wissen selber zu erarbeiten ist sonst viel Recherchearbeit notwendig, für mich ist dieser Artikel ein Bookmark wert.

    Jörg

    • Jens Fröhlich
      9. Februar 2014, 12:27

      Hallo Jörg,

      besten Dank für dein Feedback zum Artikel. Ich finde es spannend, wenn Blog-Artikel mal Feedback, zum Beispiel aus anderen Sichtweisen, erhalten. Das bereichert die Szene und schafft Transparenz für Website-Betreiber.

      VG
      Jens

  • Andrea Müller
    18. März 2014, 21:07  Antworten

    Hi Jens, ein auch für mich als SEO-Laie oder besser SEO-Anfängerin ein einigermaßen verständlicher Artikel, wenn vielleicht auch etwas zu sehr techniklastig. Es leuchtet mir irgendwie noch nicht ein, warum die Suchbegriffe von anderen Seiten und Personen für mich entscheidend oder aussagekräftig sein sollen, aber vielleicht denke ich da einfach noch nicht „global“ genug 🙂
    LG Andrea

    • Jens Fröhlich
      19. März 2014, 12:20

      Hallo Andrea,

      auch besten Dank für Deinen Kommentar.

      Gern greife ich kurz Deine Frage auf: Ein individueller Sichtbarkeitsindex (SI) kann unterschiedlich ausgerichtet sein, das hast Du bereits im Artikel erfahren. Fokussiert man ein Keyword-Set zum Beispiel auf Keywords, mit denen die Konkurrenz in den Suchergebnissen gut gefunden wird und die für das eigene Projekt relevant sind/zukünftig relevant sein können, dann schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe:

      (A) Der SI dient als Audit-KPI des entsprechenden Branchen-Segments.
      (B) Der SI dient zum Controlling der eigenen SEO-Maßnahmen.

      Man hat also eigene Ziele im Blick (mit deutlich geringerem Streufaktor als bei einem Standard Keyword-Set) und man erfährt, wie sich der Markt aktuell verändert, zum Beispiel durch Wettbewerbsverdrängungen.

      Habe ich Deine Frage beantwortet? Anderenfalls gern nachhaken.

      Viel Erfolg
      Jens

  • 14. Juni 2014, 15:06  Antworten

    Hallo Jens,
    ehrlich gesagt bin ich nach dem Lesen deines sehr ausführlichen Artikels und der lebhaften Kommentare noch ein Bisschen verwirrter, als ich es vorher war.
    Ich verkaufe Fertiggaragen und meine Kunden finden mich vor allem über eine meiner Websites. Daher habe ich mich mit dem Thema SEO allgemein und Sichtbarkeit im Besonderen schon lange beschäftigt. So hatte ich über längere Zeit auch ein Abo von Sistrix, um die Entwicklung der eigenen Sichtbarkeit und der Mitbewerber im Blick zu behalten. Erstaunlich ist jedoch, dass ich trotz stetiger fleißiger Optimierung an der Website und dem Linkaufbau in der Sichtbarkeit seit ca. einem Jahr nach unten gehe, gleichzeitig aber im selben Zeitraum 30 % mehr an Klicks und echten Anfragen habe. Mir kommen daher langsam Zweifel, wozu ich auch weiterhin Geld für ein teures Abo ausgeben soll, wenn die Reports so wenig mit der realen Situation zu tun haben.

    Viele Grüße
    Jens

    • Jens Fröhlich
      3. Juli 2014, 14:10

      Hallo,

      der SISTRIX Sichtbarkeitsindex ist ein Indikator darüber, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Website organische Besucher durch Suchmaschinen generiert.

      Schaue Dir gern nochmal die grobe Berechnung des Sichtbarkeitsindex (SI) im Artikel an. Angenommen zum Zeitpunkt X platzierst Du 100 Treffer in den SERPs, wovon nur 10% relevanten Traffic erzeugt. In diesem Fall können die restlichen 90% Deiner Treffer wegbrechen (Verringerung des SI), was sich aber nicht oder nur gering auf Deinen Traffic auswirkt.

      Mit anderen Worten: Der SI zeigt dir Verläufe. Die Ursachen solltest Du genau reviewen und selektieren, ob Du aktiv werden solltest oder eben nicht.

      Viele Grüße
      Jens

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