Mega Dropdown Menü + SEO

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  3. April 2019

Bei einem Relaunch oder der Konzeption einer Website wird man früher oder später mit dem Thema Menüstruktur und Verlinkung konfrontiert: Wie soll die Hauptnavigation aufgebaut werden – Mega Dropdown Menü oder doch ein klassisches Flyout-Menü? Erfahre jetzt, wann sich ein Mega Menü eignet und wie es aus SEO-Sicht technisch etabliert werden sollte.

Was ist ein Mega Dropdown Menü?

Ein Mega Dropdown Menü ist ein umfangreiches Navigationsmenü einer Website, dass viele Verlinkungen zu Subkategorien bzw. Webseiten (Produktseiten) besitzt. Besucher sollen dadurch einen Überblick der Themenvielfalt einer Website erhalten.

Mega Menüs können vertikal oder horizontal aufgebaut sein. Sie bestehen aus mehreren Navigationsgruppen (Hauptkategorien und Subkategorien), die durch Hovern bzw. Klicken ausgeklappt werden. Jede Navigationsgruppe besitzt thematisch relevante Links in hierarchisch tiefer liegende Seiten, wie Kategorien oder Produktseiten. Die Darstellung jeder Navigationsgruppe kann individuell gestaltet und strukturiert werden – wie farbliche Nuancen, Textlink bzw. Textlink-Bild-Kombination, usw.

Mega Dropdown Menüs werden meist vollständig dargestellt, so dass auf Scrollen verzichtet werden kann. Für Mobilgeräte muss ein abweichendes reduziertes Menü etabliert werden.

Aufgeklapptes Dropdown-Menü einer Hauptkategorie vom Aboutyou-Shop
Aufgeklapptes Dropdown-Menü einer Hauptkategorie vom Aboutyou-Shop

Das Problem mit SEO

Der Nachteil vom Dropdown Menü aus SEO-Sicht ist die massive Überfrachtung von abgehenden Links im HTML Quellcode. Zwar zählt der Googlebot diese Links zum Supplementary Content der Seite aber diverse Tests und Erfahrungswerte zeigen, dass eine spürbare Reduzierung abgehender Links im Hauptmenü Ranking-Verbesserungen generieren kann – zum Beispiel bei der Verwendung eines reduzierten Flyout-Menüs oder bei Verwendung von AJAX zum Nachladen der Links wenn der Besucher auf eine Hauptkategorie klickt. Beide Methoden liefern einen schlankeren HTML Quellcode, was sich zusätzlich positiv auf die Ladezeit der Webseite auswirken kann.

Beispiele verschiedener Varianten

Der gelblich hervorgehobene Bereich in dem Screenshot zeigt das Mega Dropdown Menü der Hauptkategorie „Outdoor-Ausrüstung“ der Globetrotter-Website.

Aufgeklapptes Mega Dropdown Menü (gelb hervorgehoben) vom Globetrotter-Shop
Aufgeklapptes Mega Dropdown Menü (gelb hervorgehoben) vom Globetrotter-Shop

Vorteile
Besucher erhält einen thematischen Überblick der Hauptkategorie
Besucher kann in hierarchisch tiefliegende Kategorien direkt einsteigen
Emotionalisierung durch Typografie und Design

Nachteile
Besucher wird von Link-Optionen überfordert
Besucher verliert die Übersicht (viele Text-Bild-Kacheln)
Nutzerführung/Klickpfade kaum planbar
SEO: Verwässerung der internen Linkstruktur der Seite
Barrierefreiheit wird teils nicht gewährleistet
Schlechte Nutzbarkeit der Website mit textbasierten Browsern
Seitenladezeit wird durch größerem HTML Quellcode verschlechtert

Als Beispiel einer Website mit einem klassischen Hauptmenü (ohne Dropdown) habe ich die Apple-Website gewählt. Der Nutzer muss sich sukzessive durch die Navigation klicken, wobei diese deutlich weniger Verlinkungen bereitstellt:

Klassisches Menü (gelb hervorgehoben) der Apple-Website
Klassisches Menü (gelb hervorgehoben) der Apple-Website

Vorteile
Definierte Klickpfade mindern Unentschlossenheit der Nutzer
Sehr gute Crawlbarkeit für Suchmaschinen
Thematische Seiten-Relevanz ist für Suchmaschinen sehr gut
Hohe Accessibility und Nutzbarkeit bei Verwendung von textbasierten Browsern
Geringer Einfluss auf Seiten-PageSpeed

Nachteile
Keine (bei kleinen bis mittelgroßen Websites und Shops)

Kompromiss zwischen SEO und UX

Ein Mega Dropdown Menü kann die Nutzbarkeit einer Website vereinfachen, weil weniger Klicks erforderlich sind, um eine Seite aufzurufen, die in einer tieferen Ebene liegt. Doch die hohe Anzahl abgehender – teils nicht thematisch relevanter – Links auf der Seite verwässert das interne Linkprofil. Deshalb erfordert die Frage, wann ein Mega Dropdown Menü geeignet ist, immer einen Kompromiss zwischen SEO und UX. Eine Ideallösung gibt es nicht und im Zweifel rate ich vom Einsatz eines Mega Menüs ab. Die Verwendung eines klassischen Flyout-Menüs ist für die meisten Websites und Shops bestens geeignet. Ausnahmen stellen besonders große Shops mit 100.000+ Artikeln dar.

Für welche Website kann ein Mega Dropdown Menü geeignet sein?

Grundlegend sollte man sich zwei Fragen stellen:

  • Kann die Website eine zusätzliche Link-Belastung verkraften?
  • Ist die Website-Architektur so komplex, dass ein Mega Menü erforderlich ist?

Zusätzliche Link-Belastung

Angenommen das Mega Dropdown Menü einer Website enthält 200 interne Links. Zusätzlich zu den Links im Supplementary Content (Breadcrumb, Widgets, Footer, etc.) und den wichtigen Content-Links wird die Seite durch weitere 200 abgehende Links belastet. Der interne PageRank pro Link sinkt damit deutlich. Zusätzlich muss die thematische Relevanz der abgehenden Links hinterfragt werden.

Aus diesen Gründen sollte bewertet werden, ob die Website diese zusätzliche Link-Belastung verkraften kann. Dabei empfehle ich nicht nur den internen PageRank, CheiRank, etc. zu bewerten, sondern auch das externe Linkprofil der Domain.

Umfang der Website

Das zweite Bewertungskriterium pro/contra Mega Menü ist der Umfang der Website. Wenn eine Website eine flache Informationsarchitektur besitzt und in jeder Kategorie überschaubar viele Webseiten zugewiesen sind, ist nach meiner Bewertung kein Mega Menü erforderlich. Diese Struktur kann ein herkömmliches Navigationsmenü sehr gut darstellen. Ein weiteres Beispiel pro Flyout-Menü wäre ein Online Shop mit wenigen Hauptkategorien, denen viele gleichwertige Produktseiten zugewiesen sind. Hierfür ein Mega Menü zu etablieren, wäre sicher übertrieben.

Hilfreich kann die Verwendung eines Mega Dropdown Menüs hinsichtlich einer besseren Nutzbarkeit für große Websites und Shops sein, die viele Ebenen besitzen und dort sehr viele gleichwertige Seiten aber nur eine Handvoll Seiten mit hoher Relevanz bereitstellen (z. B. Top-Seller einer Shop-Kategorie).

Was sollte man aus SEO-Perspektive beachten?

Grundlegend rate ich von überdimensionierten Megamenüs ab. Hat man sich allerdings für die Nutzung entschieden, sollten einige technische Fallstricke aus SEO-Sicht beachtet werden, zum Beispiel:

Best practice

  • HTML Einfachheit: Mega Menü technisch simpel entwickeln (HTML, CSS, JavaScript)
  • Menü-Quellcode unter dem Kerninhalt implementieren, für ein besseres Rendering
  • Nur wichtige und populäre Seiten verlinken und das Nutzerverhalten analysieren
  • HTML Sitemap mit allen wichtigen Seiten bereitstellen und im Mega Menü verlinken

Mobile Variante des Megamenüs

Für Smartphones müssen oft reduzierte Navigationsmenüs bereitgestellt werden, weil das Mega Dropdown Menü auf dem kleinen Display nicht dargestellt werden kann. Daraus kann resultieren, dass im HTML Quellcode zwei Menüs (Mega Menü für Desktop und Tablet + reduziertes Menü für Smartphones) implementiert werden müssen. Die Anzahl der abgehenden Links wird dadurch zusätzlich erhöht. Aus SEO-Sicht ist das nicht empfehlenswert.

Bereits in der Konzeptphase sollte man gewährleisten, dass sich die Menüs für Desktop/Tablet vs. Smartphones nur gering unterscheiden. Aus SEO-Sicht ist es besser, im HTML Quellcode nur ein Menü zu implementieren, um identische Mehrfachlinks zu vermeiden.

Don’t do this, never

Ich rate dringend ab, die komplette Website-Struktur im Megamenü abzubilden, denn das würde Besucher abschrecken und überfordern und das interne Linkprofil würde verwässert werden. Für diesen Zweck sollten besser HTML Sitemaps eingesetzt werden, die im Mega Menü verlinkt werden können.

Je mehr Links ein Mega Dropdown Menü besitzt, desto ungenauer können Suchmaschinen berechnen, wofür eine Seite thematisch ranken soll. Skeptiker empfehle ich eine WDF*IDF-Analyse mit aktivierten/deaktivierten Mega Menü durchzuführen.

Zusammenfassung

Klassische NavigationMega Dropdown Menü
Keine Verwässerung des internen Linkprofils Umfangreiche Darstellung der Website-Inhalte möglich
Thematische Relevanz einer Seite ist für Suchmaschinen gegeben Zusammengehörige Inhalte können gruppiert werden
Definierte Klickpfade mindern Unentschlossenheit der Nutzer Spielraum beim Design (Typografie, Farbe, Zusatz-Inhalte)
Sehr gute Crawlbarkeit für Suchmaschinen Technisch komplex: Accessibility für Mobile phones gewährleisten
Hohe Accessibility und Nutzbarkeit mit textbasierten Browsern Barrierefreiheit: Nutzung mit Tastatur nicht möglich
Geringer Einfluss auf Seiten-PageSpeed Content im sofort-sichtbaren Bereich wird überdeckt
Inhaltliche Gruppierungen sind schwer darstellbar Verwässerung des internen Linkprofils (First link priority)
Einfaches (langweiliges) Menü-Design Erzeugen seltsame und unverständliche Verlinkungsmuster
Inhalte werden nur bergrenzt dargestellt, da nur eine Ebene sichtbar Gefahr einer „Überforderung der Nutzer“ durch zu viele Links
Lange Listen und häufig langes Scrolling Verwirren und verzerren die thematische Relevanz einer Seite

Weiterführende Literatur

  3. April 2019   Jens Fröhlich   Gepostet in: Technisches SEO   Schlagwörter: , ,  

Kommentare(10)

  • Stefan
    5. April 2016, 12:59  Antworten

    Super Artikel von dir und ich kann das wirklich bestätigen mit dem Megamenu. Betreue einen großen Shop und als wir das Megamenu deaktiviert hatten, gingen die Rankings hoch und die Sichtbarkeit stieg. Hat aber paar Wochen gedauert. Megemenüs sind für die Suchmaschinenoptimierung wirklich Schrott.

    Stefan

  • Dirk
    6. April 2016, 08:47  Antworten

    Sehr guter Artikel, allerdings hast du die Möglichkeit einer Maskierung nicht bedacht. Damit lässt sich die Menge an Links sehr genau steuern um „Themencluster“ zu bilden. Fahren wir aktuell sehr gut mit 🙂

    • Jens Fröhlich
      6. April 2016, 09:58

      Hallo Dirk,

      besten Dank für deinen Kommentar. Das Thema Maskierung habe ich beabsichtigt nicht aufgegriffen, weil wir nicht wissen, wie gut diese Methode in Zukunft funktionieren wird. Google ist ja daran interessiert, eine Seite so zu sehen, wie der Nutzer. Ich kenne bereits einen großen Online Shop der die Maskierung dieses Jahr komplett entfernt hat. Aber trotzdem vielen Dank für deine konstruktive Kritik und weiterhin viel Erfolg.

  • 31. Mai 2016, 16:48  Antworten

    Hi,

    Otto (dein Screen) ist doch maskiert und ein gutes Beispiel dafür, wie gut es funktioniert.

    Gruß
    Jan

    • Jens Fröhlich
      31. Mai 2016, 16:51

      Hallo Jan,

      was genau meinst du mit „maskiert“?
      Prüfe doch mal die Startseite im Google Cache und du wirst feststellen, dass alle Links des Dropdown Menüs verarbeitet worden sind. Das ist nicht gut.

      Viele Grüße
      Jens

  • Stefan
    4. August 2016, 11:15  Antworten

    Hallo Jens, schau doch z.B. mal auf https://www.otto.de/herrenmode/kategorien/hemden/ im Seitenquelltext nach und analysiere parallel die interne Verlinkung von dieser Seite. Dann stellst du fest, dass hier mit iFrames gearbeitet wurde und nur die erste Ebene des Megamenüs verlinkt wird, nicht aber die gesamten Unter-Menü-Bereiche.

  • Chriss Leiblich
    6. September 2016, 16:56  Antworten

    Hallo Jens, reicht es wenn man im Mega Menü einfach die Links auf nofollow setzt?

    • Jens Fröhlich
      7. September 2016, 16:16

      Hallo Chriss,

      probiere es aus: Erstelle eine crawlbare und indexierbare HTML Seite die du nur über das Dropdown Menü mittels rel=“nofollow“ verlinkst und schaue mal nach ein paar Tagen, ob du die URL im Google Index findest. 🙂

      Beste Grüße
      Jens

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