SEO für ausverkaufte Artikel in Online Shops

Bei der SEO Beratung für Online Shops und bei SEO Trainings wird mir immer wieder die Frage gestellt, wie man ausverkaufte Artikel aus SEO-Perspektive behandeln soll. In diesem Blog-Beitrag werde ich diese Frage beantworten und Handlungsempfehlungen aussprechen.

Die Frage, wie man SEO für ausverkaufte Artikel richtig betreiben soll, ist offen gestanden schwierig zu beantworten, weil es zwei grundverschiedene Ansichten gibt. Zum einen gibt Google als Suchmaschinen-Betreiber konkrete Empfehlungen, wie man mit ausverkauften Artikeln umgehen sollte. Diese nehmen viele Suchmaschinenoptimierer allerdings mit Zähneknirschen hin. Ich werde zunächst beide Ansichten darstellen und anschließend persönlich Stellung beziehen.

Google Perspektive

Am 17.03.2014 wurde folgende Frage von „Blind Five Year Old, SF, CA“ an Google-Mitarbeiter Matt Cutts gestellt:

How would Google recommend handling eCommerce products that are no longer available? (Does this change as the number of discontinued products outnumbers the active products?)

Matt Cutts beantwortet die Frage in einem YouTube-Video (Quelle) wie folgt:

Matt Cutts: Ausverkaufte Artikel richtig behandeln

Kleine Online Shops // 15 bis 20 Seiten

Kleine Online Shops mit wenigen Seiten, beispielsweise ein Anbieter handgefertigter Möbel mit 15 bis 20 Seiten, sollten wie folgt vorgehen: Wenn ein Artikel nicht mehr verfügbar sein sollte, ist die Verlinkung auf ähnliche Artikel empfehlenswert – also einen Headercode 200 ausgeben. Dadurch soll ersichtlich werden, dass der Artikel grundlegend angeboten wird, momentan jedoch nicht. Durch die Verlinkung werden Besucher darüber informiert, dass ähnliche Produkte verfügbar sind.

Mittlere Online Shops // 100 bis mehrere 1.000 Seiten

Mittlere Online Shops sollten den Headercode 404 „Page not Found“ liefern, wenn ein Artikel nicht verfügbar ist und nicht mehr angeboten wird. Sollte ein neues Lieferdatum bekannt und der Artikel nur vorübergehend nicht verfügbar sein, empfiehlt Matt Cutts die Besucher auf der Produktseite über das neue Lieferdatum zu informieren (Headercode 200).

Anmerkung des Autors: Erfahrungsgemäß empfiehlt es sich den Besuchern anzubieten, ihre E-Mail Adresse zu hinterlegen, um bei Verfügbarkeit des Artikels informiert zu werden.

Große Online Shops // 100.000 und mehr Seiten

Für große Online Shops empfiehlt Matt Cutts auf allen Produktseiten neben dem Headercode 404 „Page not Found“ das Meta Tag „unavailable_after“ im Quellcode aller Produktseiten zu hinterlegen. Dieses informiert Suchmaschinen-Crawler wann ein Artikel nicht mehr lieferbar ist. Das entspricht einem Löschantrag. Nach Ablauf des Datums wird die Produktseite aus den Google Suchergebnissen verschwinden.

SEO Perspektive

Viele Suchmaschinenoptimierer tun sich schwer mit den Google-Empfehlungen, obgleich sie nutzerfreundlich sind. Angenommen ein Artikel hat in einem Online Shop gute Rankings in der Google Suche aufgebaut. Nun ist er ausverkauft, wird nicht mehr nachbestellt und ist folglich auch nicht mehr lieferbar. Der Shop-Betreiber deaktiviert den Artikel im Shopsystem, wodurch die Produktseite den Headercode 404 „Page not Found“ liefern wird. Das wird Google registrieren. Die Produktseite wird aus den Suchmaschinen-Ergebnissen verschwinden. Das ist gut, denn Besucher wären enttäuscht, wenn der Artikel bei Google weiterhin gefunden wird und sie auf den Treffer klicken. Die Folge wären Bounce Backs – unnötige negative Nutzersignale.

Doch was passiert mit den Rankings? Die Produktseite hat sich Kraft und Vertrauen (Linkjuice) aufgebaut und vielleicht ein paar gute Backlinks erhalten. Durch den Headercode 404 gehen Linkjuice und Rankings verloren. Würde der Shop-Betreiber hingegen mittels 301-Redirect auf ein ähnliches Produkt oder auf die passende Produktkategorie weiterleiten, würden Linkjuice und Rankings übertragen werden. Im Idealfall leitet der Shop-Betreiber auf das neue Modell des Artikels weiter, so dass dieses relativ schnell ranken wird. Aus Perspektive der Suchmaschinenoptimierung ist das die bessere Methode.

Handlungsempfehlungen

Die Frage SEO für ausverkaufte Artikel richtig zu betreiben ist nicht pauschal zu beantworten. Es gibt keine Standard-Lösung. Grundsätzlich empfehle ich die für den Nutzer beste Lösung zu etablieren. Das kann auch A/B-Tests erfordern. Im Idealfall ist die Lösung vereinbar mit den Google-Empfehlungen. Trotz allem SEO: Der Nutzer steht im Zentrum und sollte positive Nutzersignale erzeugen. Anderenfalls sollten so lange Lösungen gefunden und getestet werden, bis er sie erzeugt.

Hinweisen möchte ich auf Backlinks, die auf einen Artikel verlinken können. Um diese zu finden, empfehle ich den Shop regelmäßig auf Broken Links zu untersuchen. Werden hochwertige Backlinks gefunden, die auf ausverkaufte Artikel verweisen, empfehle ich 301 Redirects zu nutzen. 301 Redirects vom Artikel auf eine Kategorie zu setzen wenn diese nicht hochgradig themenrelevant ist, davon rate ich ab. Google wertet diese Weiterleitungen oft als Soft 404. Werden Redirects eingesetzt, sollten diese also den HTTP Statuscode 301 besitzen und zwingend themenrelevant weiterleiten – im Idealfall zu einem vergleichbaren Artikel. (z. B. zu einem anders farbigen Artikel oder das aktuelle Folgemodell, …) Ein weiterer Tipp: Redirect Chains (Weiterleitungsketten) korrigieren. Diese verlängern nämlich die Seitenladezeit unnötig und verbrauchen Crawlbudget. Mit dem Screaming Frog SEO Spider kann man Redirect Chains analysieren und zielführend beheben. Besonders bei großen Online Shops können tausende Weiterleitungsketten unbemerkt entstehen und das Link Value des Shops spürbar verringern.

Ich hoffe die Frage beantwortet zu haben. Wenn Du Support benötigst, kannst Du hier gern Kontakt mit mir aufnehmen.

Weiterführende Literatur

  • Shaun Anderson: Should I 301 Redirect Old Product Pages to Existing Category Pages on Sites?
  Jens Fröhlich   Gepostet in: Suchmaschinen   Schlagwörter: ,  

Kommentare(2)

  • 15. September 2016, 12:32  Antworten

    Ein guter Artikel, klasse finde ich die Einteilung in kleine, mittlere und große Shops. Das hat mir meine bei der Entscheidungsfindung geholfen. Persönlich finde ich die Einteilung in Google und eigene Empfehlung sehr gut. Ich mag es, wenn man auch mal eigene Wege geht und nicht immer „nur“ auf alles hört was Cutts und Co. von Google so verzapfen.

    Gruß
    Marko

    • Jens Fröhlich
      16. September 2016, 12:35

      Hallo Marko,

      besten Dank für dein Feedback, was mich sehr freut.

      VG Jens

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